Heiraten unter der Aufsicht von Facebook

Liebe Leute, ich habe am Wochenende die passende Geschichte zu dieser Karte erlebt! Oder vielmehr das Gegenteil. Es war die Hochzeit einer Freundin aus London. Man muss dazu sagen, dass ich ihren Zukünftigen bis dahin gar nicht kannte – außer von ihren Facebook-Fotos. Die Feier war irgendwo auf dem Land, in einem ziemlich malerischen Dorf, eine Kirche wie aus Downtown Abbey, Sonnenschein, Kirchenglocken. Keine Ahnung, ob es überhaupt W-Lan gab. Diese Frage hat sich inmitten dieses Idylls nicht gestellt. Wie sich das gehört, ließ die Braut auf sich warten, ein Gospelchor sang, dann zogen alle Beteiligten nach und nach vor den Altar. Vorneweg der Pfarrer, der den Gottesdienst nun feierlich eröffnen würde. Und was sagt er als erstes? Dass das Brautpaar darum bittet davon abzusehen, diese Hochzeit in irgendeiner Form auf Instagram, Facebook und Twitter zu veröffentlichen. Vor 10 Jahren begann so eine Ansprache noch ganz anders.

karte

Kriegt man ohne Internet noch Dates?

An sich haben Nullen und Einsen ja nun nicht so viel Sexappeal. Und trotzdem sind sie heutzutage der Weg, über den wir uns kennen lernen, verabreden und Komplimente machen. Was früher den Ruf der Restesammlung unglücklicher Übriggebliebener hatte, ist heute der normalste Ort der Welt, um sich kennen zu lernen: Partnerbörsen, Dating Apps, Facebook und Co. Weiß denn überhaupt noch jemand, wie das ohne Internet noch gleich ging? Die Londoner Samuel Abrahams und Tom Greaves haben es ausprobiert. Mit mittelmäßigem Erfolg. Denn wer heute herumläuft und einfach so nach einem Date fragt, kriegt schnell den Stempel des Creeps. Das höchste der Gefühle ist da, den Facebook-Namen rauszurücken…

Facebook, warum hast du mir das erzählt?

facebook stalking

Es ist Sonntag, ich liege noch im Bett, die letzten Träume fallen mir gerade aus dem Kopf, da schreibt mir mein Bruder eine SMS: “Warst du heute schon bei Facebook???” Oh Gott, was soll das bedeuten? Werden jetzt schon Un- und Todesfälle auf Facebook verkündet, außer die der Katze? Auf Facebook? So schlimm kann es nicht sein. Ich sollte mich getäuscht haben, wie ich wenige Minuten später merken werde. Ich muss nicht mal etwas tun, von oberster Stelle meines News Feed springt es mich an: ein Foto mit einem blassen und etwas dicklichen Jüngling darauf, der unsere kleine, 17 jährige Nesthäkchen-Schwester im Arm hält, die wiederum eine Flasche Vodka (sie nennen es “Voddi”!) im Arm hält und zu küssen andeutet, vor ihnen steht eine Flasche Captain Morgan auf dem Tisch. Geschätzte durchschnittliche Promillezahl auf diesem Foto: 2,5. Doch das schlimmste Detail befindet sich in der Bildunterschrift. Dort schreibt der junge Mann mit den Patschehändchen: “Ich liebe dich (+drei smileys)”. Es ist Zeit für eine Familienkonferenz.

Mein Bruder und ich fragen uns, wie vorzugehen ist. Verkloppen wir den Kleinen? (Lieber nicht, er sieht doch so blass aus.) Bitten wir unsere Schwester zu ihrer eigenen Sicherheit, dieses Bild wieder zu löschen? (Lieber nicht, das könnte in einem pubertären Tobsuchtsanfall enden.) Können wir das Bild melden? (Lieber nicht… Oder doch?) Die Zeit rennt jedenfalls, 12 Likes hat es schon. Dann, endlich, meine Schwester reagiert selbst, kommentiert mit “neeeein, echt nicht!” und “besoffen!!”, dann schreibt er “wieso du bist doch so hübsch”. Satzzeichen und Grammatik sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Kurz darauf ruft meine Freundin S., mit deren Familie wir eine Wahl-Großfamilie bilden, an und fragt “Heeey, hat die Kleine schon Sex?”. Ich sage, dass ich diese Frage noch mit nein beantworten werde, wenn ich 90 bin. Jetzt sind es 29 Likes, meine Schwester und die Wurst streiten in unzähligen Kommentaren darüber, ob sie nun hübsch ist oder nicht. Jemand muss das stoppen, bitte. Dann schreibt einer der Brüder aus der Wahl-Familie Ihren Namen in Großbuchstaben und mit fünf Ausrufezeichen drunter. Wir alle liken das und es ist endlich Ruhe im Karton. Danke. Einige Tage später wird ihr Englischlehrer meine Schwester nach dem Unterricht zu sich bitten. Er habe da ein Foto gesehen, wird er sagen, er sei etwas besorgt. Sie möge bitte auf sich aufpassen und Facebook nicht unterschätzen. Das lässt sie noch vier Tage später ganz erschrocken durch die Gänge schleichen. In diesen zwei Minuten hat sie mehr über das Internet gelernt als in den elf Jahren Schule zuvor.

Was wir von Pornos lernen

Um auch weiterhin für 24 gehalten zu werden, war ich am Wochenende mal wieder auf einer WG-Party mit vielen lustigen Studenten, die sich wahrscheinlich gerade fragen, was heute überhaupt für ein Tag ist. Dort hing im Flur ein Zettel, auf dem ein junger Mann nach einem längeren USA-Aufenthalt darüber schrieb, was er von Pornos über Sex gelernt habe. Alle, die sich noch ohne Internet beigebracht haben wie Sex geht, können wahrscheinlich darüber lachen. Für alle anderen ist es ein wenig besorgniserregend. Erst kürzlich erreichte mich die Google-Suchanfrage “unfruchtbar durch zu viel Pornokonsum?” Da war ich dann doch etwas erschüttert. Liebe Kinder: nicht alles, was das Internet sagt, stimmt! Die folgenden Dinge passieren ohne einen Regisseur nicht wirklich. Und das ist gut so!

  • Women always wear high heels in bed
  • men can do it whenever they want
  • and how long they want for
  • Woman enjoy having sex with ugly, middle aged men very much
  • Women always orgasm when men do
  • People in the 70s couldn’t cum unless there was a wild guitar solo in the background
  • Those tits are real!
  • A common and enjoyable sexual practice for a man is to take his half erect penis and slap it repetedly on a woman’s butt
  • or on her face
  • Asian men don’t exist
  • If you come across a guy and his girlfriend having sex in the bushes, the guy appreciates it if you shove your penis in his girlfriend’s mouth
  • Women never have headaches or periods
  • When a woman is sucking a man’s cock, it’s important for him to remind her to “suck it”
  • A man ejaculating on a women’s face is a satisfying result for all parties concerned
  • Women always look pleasently surprised when they open a man’s trousers and find a cock in there

Suche Mann mit Kratzebart zum knutschen

Nun gibt es ja inzwischen für alles eine Partnerbörse. Aber das ist doch mal eine, die tatsächlich eine Marktlücke entdeckt haben könnte. Bristlr vermittelt bärtige Männer, die Frauen mögen, die ihre Bärte streicheln und bewundern mit Frauen, die auf Bärte streicheln und bewundern stehen. Statt wilder one night stands, wie so manch andere dating App, verspricht dieses Exemplar ganz bescheiden kuschlige Winterabende und gute Bartgespräche. Beziehungsstatus, Psychofragen oder Geschlecht – das alles ist bei Bristlr erst einmal Nebensache. Hier geht es zu Beginn wirklich nur darum, wem man gerne einmal Honig ums Gesichtshaar schmieren würde und Leute in deiner Nähe, die das passende Gesichtshaar dazu haben. Hat man sich mit einem Bart getroffen, kann man ihn hinterher bewerten, um anderen die Suche nach dem stoppeligen Glück zu erleichtern. Der Name kommt übrigens von bristle und bedeutet so viel wie Borste. Das hinzugefügte r am Ende muss unbedingt lang ausgesprochen werden, heißt es in der Anleitung – für den passenden Piratensound. Gern geschehen, liebe Hipster!

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Für einen kleinen Vorgeschmack ist es hilfreich, sich für’s Profilfoto schonmal selbst sinnlich durch’s Barthaar zu streichen…

“Kann mich meine Freundin bei Tinder sehen?” Vera beantwortet Leserfragen Teil VI

Liebe Leute, es war wieder an der Zeit eure von Google weitergeleiteten Suchanfragen zu beantworten. So langsam verstehe ich, wieso Google nie selbst antworten möchte. Die Sachlage wird immer komplizierter.

Wenn man virtuell liebt, wird man sich irgendwann leid?

Prinzipiell würde ich ja sagen, dass es immer ratsam ist, die potentielle Liebe schnellstmöglich in die Realität zu wuppen. Wer weiß, vielleicht ist der vermeintliche Traumprinz aus dem Netz ein fetter, alter Sack, der das lustig findet oder ein Trickbetrüger, der nur an Deine Kohle will. Oder vielleicht jemand, der irgendwas mit Medien macht und dann darüber schreibt.

Sonnenuntergang als Profilbild bei Liebeskummer?

Was habt ihr nur immer mit euren Sonnenuntergängen? Natürlich könnte man in einen Sonnenuntergang Sehnsucht, Melancholie und Weltschmerz hineininterpretieren. Aber so viel Gedanken hat sich der Andere dabei wahrscheinlich eher nicht gemacht – sondern fand ihn einfach schön!

Ist er verliebt? Sonnenuntergang im Profilbild.

Damit mache ich mir wahrscheinlich Feinde, aber ich glaube solche Gedanken machen sich nur Frauen, die verzweifelt auf der Suche nach irgendeinem Zeichen sind. Ich darf das sagen: been there done that! Hört auf damit! Bringt nix!

Was kann man tun, dass einer den Anderen liebt?

Ohje. Ich fürchte nicht viel. Äußerst kontraproduktiv ist es jedenfalls, ständig zu versuchen, den Anderen zu überzeugen. Das muss der schon von alleine merken. Und deswegen gilt wohl nach wie vor Ommas alter Satz: Willst Du gelten, mach Dich selten.

Sekunden können nehmen, was Jahre Dir gaben.

Ohje, das klingt aber dramatisch. Ist aber wohl vor allem in Zeiten des Internets ein wahrer Satz. Was ist passiert? Hast Du sein Tinderprofil entdeckt? Seit ich weiß, dass 42% aller Tinder-Nutzer eigentlich liiert sind und 30% sogar verheiratet, mache ich keine Witze mehr über die „Ist mein Freund bei Tinder“-Fragen. Versprochen.

Kann mich meine Freundin bei Tinder sehen?

Aha. Da haben wir ihn auch schon, den Gegenpart zu all den Mädels, die täglich fragen, ob ihr Freund bei Tinder ist. Was machst Du denn da? Mann kann jedenfalls nur hoffen, dass sie auch ein Profil hat, dann könnt ihr gematcht werden und darüber reden, ob eure Beziehung noch Sinn macht.

Fernbeziehung, Freund postet oft Bilder von anderen Frauen

Mmmhh. Das würde mir auch nicht sonderlich gut gefallen. Ich hatte mal einen Freund, der für ein halbes Jahr nach Australien ging und plötzlich lauter Surfer Girls auf seinen Fotos auftauchten, während ich im verschneiten Schwarzwald fest saß. Ich fürchte nur, wenn das Vertrauen bröckelt, kann Google da nicht helfen. Das müsst ihr selber klären.

Man muss nicht verrückt sein, um hier zu arbeiten.

Vielen Dank, diese Aussage hat mir die letzten 10 Minuten sehr versüßt. Nun ja, sagen wir so, wir kennen ihn alle, den Moment, in dem man denkt: doch, man muss verrückt sein, um hier zu arbeiten. Wo auch immer das ist.

Danke, dass Sie mir mein Leben retten

Oha. Bitte. Gern geschehen.

Hier geht’s zu Teil I, II, III, IV und V

Dating Tipps früher und heute

Wen die Omma wieder fragt, was eigentlich dieses komische Tinder ist, neigen wir manchmal mit müdem Lächeln dazu, heimlich zu glauben, dass die Sache mit den Dates vor Elitepartner und Co. deutlich einfacher war. Kein Überangebot, keine ewig ungeklärten Verhältnisse, kein Matchingpunkte Marathon. Stimmt nicht ganz, wie dieser Artikel aus dem Click Parade Magazine (via vintage everyday) von 1938 zeigt. Die Regeln waren nur andere, einfacher war es deshalb lange nicht. Im Gegenteil, diese Empfehlungen sind nichts für Weicheier. Hier sind Selbstdisziplin und gute Unterwäsche-Planung gefragt. Achtung Feministinnen, die folgenden Bilder können Gefühle von Wut auslösen. Dating Tipps von vor fast 80 Jahren, sind für heutige Verhältnisse ziemlich sexistisch. Denn das einzige Prinzip, das es zu beachten galt lautete: der Mann ist der Boss! Nerv’ ihn nicht mit Gesprächen über Mode und fang bloß nicht an zu heulen! Nur das mit dem Alkohol hat sich als haltbar erwiesen…

Veras erstes Online Date

Es ist ein sonniger Septembertag, an dem ich beschließe nachzugeben und mich auf „einer dieser Seiten“ anzumelden. Das hat für mich nichts mit Verzweiflung zu tun, sondern mit dem dringenden Verlangen, dem Datingzirkus der ewig 15-jährigen zu entkommen. Ok, jetzt tue ich so, tatsächlich hat eine gute Freundin, deren Mann aus dem Internet kommt zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre Überzeugungsarbeit geleistet. Jetzt ist es so weit. Ich bin bereit. Um den ganzen „Lust auf fikken?“-Typen zu entkommen bezahle ich sogar Geld für die Erwartung, dass die Fische im Teich grammatikalisch korrekte Sätze machen können. Steh‘ ich drauf! Satzzeichen, dass mit s, wenn es sein muss und so. Richtig viel Geld bezahle ich dafür.

Am Anfang macht mir der Versuch noch richtig Spaß, durch die verschwommenen Fotos hindurch zu erkennen, ob mir das Phantom dahinter gefallen könnte. Kann mir ja keiner erzählen, dass da irgendwer nur nach den Matchingpunkten geht. Ziemlich schnell ist dann auch einer dabei, den finde ich gut: groß, dunkelhaarig, 39, hauptberuflich Anwalt, nebenberuflich Rockstar, geschieden, gutaussehend und Satzzeichen kann er auch. Matchingpunkte: 93. Klingt viel. Er kommt aus Hamburg. Da ich  dort gerade auf einem Sofa sitze, geht’s auch gleich los. Ich schreibe ihm. Ein spontanes Treffen fällt leider einem Stau zum Opfer und wird vertagt. Macht nichts. Wir schreiben. Und schreiben. Und schreiben. Morgens im Zug zur Arbeit, abends im Zug zurück in die Freiheit.

Etwa sechs Wochen später ereilt mich plötzlich die Nachricht, dass er leider eine kennen gelernt habe, die wohl jeden weiteren Kontakt überflüssig mache. Schade, wirklich! Wieder zwei Monate später bekomme ich eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Die Frau scheint nur ein schwacher Trost gewesen zu sein. Leider habe ich mir zu diesem Zeitpunkt selbst schon einen Übergangsmann gesucht. Wir treffen uns trotzdem. Und das ist ziemlich nett. Das Wissen, dass wir eigentlich gerade beide jemand ganz anderen gut finden, macht den Moment der ersten Begegnung, den ich mir immer grauenhaft unangenehm vorgestellt habe, zu einem Treffen unter alten Bekannten. Wir trinken Bier und Wein, essen Pommes und unterhalten uns gut. Ziemlich netter Abend!

Drei Monate später treffen wir uns wieder. An der Elbe. Liegestuhl, Möwen, Sand und Bier. Wie romantisch. Es wird immer netter und immer selbstverständlicher. Geht ja auch schon ein Jahr hin und her. Dann hat er seine Trostfrau nicht mehr und als ich endlich nachziehe und ihm einen erneuten Elb-Besuch vorschlage, da hat er gerade eine andere kennen gelernt. Es sei wie mit guten Gebrauchtwagen, sagt er,  „die sind eben nicht lange auf dem Markt.“ Ich weiß nicht, ob ich mich darüber ergeben, lachen oder weinen möchte.

Liebes Tagebuch, heute habe ich gelernt, wie online dating funktioniert. Es ist irgendwie blöd. Man bekommt all diese Männer vorsortiert auf dem Silbertablett serviert und muss sich nur einen aussuchen, das erspart einem die nervenaufreibenden Wochen, in denen man sich fragen muss, was der Andere wohl wollen könnte. Und da gibt es ja inzwischen 2583 Möglichkeiten. Andererseits bringt es die schmerzvolle Erkenntnis mit sich, dass es nicht weniger kompliziert ist, als mit der Realität. Die Zukunft kann das Internet leider noch nicht berechnen.

Womit man auf seinem Profil angeben sollte, wenn man eine Frau ist

Schlechte Nachrichten an all meine Geschlechtsgenossinnen: Schöne Augen machen funktioniert im Internet nicht! Statt dessen: ein schöner Bauch tut’s auch! Gefolgt von Armen, einem Knackarsch (das war zu erwarten) und mmmhh, wie soll ich sagen … den Füßen. Unsere Augen belegen einen traurigen vorvorletzten Platz. Die Haare den Vorletzten. Jetzt wisst ihr auch, wieso Männer den Friseurbesuch nie bemerken: they just don’t care about your hair! Die Sache mit den Füßen scheint also doch keine absurde Erfindung der Pornoindustrie zu sein…hier der Beweis.

körper

Keiner will’s gewesen sein: Die Sache mit dem Facebook-Stalking

fb stalking

Nun ist es ja so. Früher musste man noch einiges mehr unternehmen, um Informationen über den zukünftigen oder ehemaligen Liebsten zu bekommen. Ich erinnere mich da an so einige schwer pubertäre Nächte, in denen ich mit meiner besten Freundin S. nach einigen Bacardi Breezern in die Straßenbahn stieg und wir loszogen, quer durch die Stadt unsere Traummänner auszuspionieren. Dafür bezahlten wir 2 Mark oder gar nix, das war revolutionär und gut für den ohnehin am Limit pulsierenden Adrenalin-Spiegel. Wir schlichen dann um deren Häuser, nur um zu sehen, ob Licht brannte. Das verriet noch nichts über ihren Beziehungsstatus, ihre letzten Urlaubsfotos oder darüber, was sie so likten. Aber das war uns schon genug. An manchen Tagen reichte der Mut für einen Klingelstreich. Dann versteckten wir uns hinter parkenden Autos und kicherten in unsere Zahnspangen.

15 Jahre später ist das nicht mehr so einfach. Als J. und ich uns letztes Jahr trennten, da zeigte mir Facebook ständig Fotos von seiner Liebeskummerreise. Mit Palmen drauf, Surfbrettern und braungebrannten Bikini-Mädchen. Eine von ihnen blieb auf allen Fotos und schaffte es schließlich auf sein Profilfoto. Es war viel zu einfach herauszufinden, dass sie Kunststudentin aus Montreal und acht Jahre jünger war als ich und es irgendwie hinbekam, ihn, der Australien nie verlassen wollte, mit zu sich nach Kanada zu nehmen. Ich nannte das neutrale Recherche, aber der Liebeskummer zog sich wie Kaugummi. Ich hatte die zwei erlösenden Klicks bis dahin nie über mich gebracht, weil es mir albern erschien und die Facebook-Freundschaft doch irgendwie noch eine gewisse Nähe versprach, von der ich glaubte, das sie mir helfen würde, über die Trennung hinwegzukommen.

Die Psychologin Tara Marshall hat das Phänomen des Facebook-Stalkings wissenschaftlich untersucht und kann nur bestätigen, dass es einen zu einem depressiven Wrack macht. Fast 90% der knapp 500 Probanden ihrer Studie an der Brunel  University in London gaben zu, Facebook gezielt zum Ausspionieren des Ex-Partners zu nutzen. Das soziale Netzwerk  dürfte also mehr  dauerhaft gebrochene Herzen verschulden als bisher angenommen. 57% von ihnen waren noch mit dem oder der Ex online befreundet.  Die Liebeskummer-Nutzung von Facebook führe zu Gefühlen wie Wut, Hass und Eifersucht, schreibt Marshall und verlängere den Liebeskummer deutlich. Auch das sexuelle Verlangen und die Sehnsucht nach dem Ex-Partner nehme durch die unzähligen Profil-Aufrufe zu. Nur wer die Trennung gut verkraftete, schien dem Sog dieser Abwärtsspirale widerstehen zu können. Ein Drittel der Probanden tendierten zu regelrechtem Stalking, also einer Sucht, alles über den anderen herauszufinden. Das Freunde Bleiben ist eben doch nicht so einfach, wie Facebook suggeriert. Meist ist es die beste Lösung, den Partner auch gleich digital zu verlassen, das spart Zeit und Nerven.

Als ich dem Typen aus der Zahnspangenzeit damals mein Gutfinden gestand, wollte er davon nichts wissen- und das war’s. Erst neulich kam ich auf die Idee, Facebook zu fragen, was wohl aus ihm geworden ist. Am Tag zuvor hatte er in einem Post um Namens-Vorschläge für sein zweites Kind gebeten. Ich war so erleichtert, dass wir niemals Facebook-Freunde waren.